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| Rezension des Buches "Die
Cambridge Enzyklopädie der Sprache" von David Crystal, 1993 (aus: Spektrum der Wissenschaft, Oktober 1994) "Unser Fach ist unüberschaubar geworden" so oder ähnlich lautet das Lamento fast aller Wissenschaftler, und die Sprachwissenschaft macht keine Ausnahme. [...] Umso gewagter mutet der Versuch an, die ganze Sprachwissenschaft in allen ihren Spielarten enzyklopädisch für interessierte Nicht-Linguisten darzustellen. David Crystal, Linguistikprofessor am University College in Bangor (Wales), hat viel riskiert und die Bank gesprengt. In neun Großkapiteln spricht er über Schreiben und Lesen, Hören und Verstehen, Sprache, Sprachen und Sprechen, von ägyptischen Hieroglyphen bis zur Wernicke-Aphasie: über alles! [...] Wer die fast 500 Seiten von Anfang bis Ende durchackert, wird einen erschöpfenden Überblick erwerben. Das werden freilich die wenigsten tun, aber und das ist eine der vielen Stärken dieses Werks man muss es auch gar nicht. Jedes der insgesamt 65 Unterkapitel ist für sich lesbar, der Haupttext durch Anekdoten, Beispiele, Abbildungen, Karten in Kästen aufgelockert es lädt dazu ein, zu blättern, zu überspringen, sich festzulesen, mit einem Wort: auf Entdeckungsreise zu gehen. [...] |
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Der Versuch der adäquaten Übersetzung: Beispiele zur deutschen
Gebärdensprache (Aus: David Crystal, Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache. 1993.
Fotos: P. Wanner) |
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| Ist
es nun möglich, ein Buch, das sich ausgerechnet mit Sprache beschäftigt, auch nur
einigermaßen adäquat zu übertragen? Ja, denn die Übersetzer haben nicht nur die Vorlage in ein ansprechendes Deutsch umgegossen, sondern grundlegend bearbeitet und auf deutschsprachige Leser zugeschnitten. Alle englischen Beispiele zu ersetzen war weder möglich noch nötig. [...] Oft aber hilft nichts, als anstelle der englischen Beispiele treffende deutsche zu finden: "hein Kerz für Inder" (Seite 263) ersetzt den Versprecher "caked a bake". Statt des Gedichts "How to get on in society" von John Betjeman bietet das Buch "Karrieren" von Kurt Tucholsky (Seite 38), statt "prune" aus dem amerikanischen Krankenhaus-Slang "ätzend" aus der deutschen Jugendsprache (Seite 53), statt einem aus dem Französischen rückübersetzten Mark Twain einen aus dem Japanischen rückübersetzten Goethe (Seite 346). Damit nicht genug; um der Absicht des Autors entsprechend an den kulturellen Hintergrund des Lesers anzuknüpfen, haben die Bearbeiter nicht nur Ergänzungen eingefügt, sondern ganze Partien umgearbeitet. Statt des Abschnitts "How irregular is English spelling?" finden wir ab Seite 214 einen eigenen Artikel über die Problematik deutscher Rechtschreibung und auf Seite 30 statt einer Dialektkarte Englands, auf der die verschiedenen Wörter für "snack" verzeichnet sind, eine Seite aus dem Wortatlas der deutschen Umgangssprache, der uns über die geographische Verteilung von "Frikadelle", "Bulette", "Fleischküchle" und "Fleischpflanzerl" belehrt. [...] Fazit: Die gelungene Kombination aus Theorie und Praxis entspricht dem im Vorwort (Seite IX) geäußerten Ziel, "Faszination und Nutzen der Sprachforschung zu vermitteln" und gleichzeitig Sensibilität für die "vielfältigen sprachlich bedingten und sprachlich lösbaren Probleme" zu wecken. Wenn dieser hohe Anspruch überhaupt von einem Buch eingelöst werden kann, dann von diesem. (c) Spektrum der Wissenschaft - Binder, Vera |
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